Eda Senyurt und Pfarrer Wilfried Pahlke

Kanzelrede von Eda Senyurt am Sonntag, 31. März, 18 Uhr, Christuskirche, Thema: Frieden ist möglich!

Die 2. Kanzelrede in diesem Jahre wurde im Gottesdienst am Sonntag, 31. März, 18 Uhr, von der 18-jährigen Schülersprecherin des Mataré-Gymnasiums, Eda Senyurt, gehalten. Die Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“ inspirierte sie, repräsentativ als Sprachrohr für junge Menschen ihre Ansichten zu diesem Thema zu äußern.

Nachfolgend finden Sie ihre Kanzelrede.

Sehr geehrte Frau Canaris, sehr geehrter Herr Pfarrer Pahlke,

sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gemeinde,

„Suche Frieden und jage ihm nach“ so lautet es im Psalm 34.

Und genau zu dieser Passage, habe ich heute die Ehre meine Gedanken in Form einer Kanzelrede mit Ihnen zu teilen.

Frieden und die Verwirklichung von Frieden sind etwas, was nicht nur Politiker oder Analysten beschäftigt. Frieden ist etwas, an dem jeder Bürger egal wie klein, alt, welche Religion er hat oder machtlos er scheinen mag, tagtäglich teilhaben kann und dies auch muss.

Deshalb ist es für mich eine besonders große Ehre als Schülersprecherin des Mataré- Gymnasiums und somit repräsentativ als Sprachrohr für junge Menschen fungierend, unsere Ansichten zu diesem Thema zu äußern.

Denn wir die junge Generation sind die Zukunft. Wir bestimmen das Morgen und wir werden diejenigen sein, die dazu gezwungen werden den Frieden wiederherzustellen und zu sichern. Daher möchte ich mich vorab bei der evangelischen Gemeinde dafür bedanken, dass sie uns jungen, aber auf jeden Fall relevanten Menschen, die Chance geben, gehört und beachtet zu werden.

Das Thema der diesjährigen Jahreslosung der evangelischen Kirche passt nicht nur zeitlich zu den sich häufenden Ereignissen wie in Neuseeland, die unsere Welt alle Stück für Stück weiter weg vom Frieden zerren, sondern thematisiert auch ein Grundstreben des Menschen: den Frieden.

Aber was bedeutet Frieden eigentlich? Und was heißt es diesen zu suchen und ihn zu jagen?

Wenn wir über Frieden reden, müssen wir zwischen zwei verschiedenen Arten differenzieren: Zum einen gibt es den (ich nenne ihn) inneren oder spirituellen Frieden, welchen jeder Mensch für sich selbst finden muss und zum anderen den äußeren weltbetreffenden Frieden, welcher nicht nur ein Individuum, sondern alle Menschen gleichzeitig betrifft.

Der innere sowie der äußere Frieden sind untrennbar voneinander. Nur wenn wir unseren inneren Frieden finden, kann sich auch der äußere Frieden verwirklichen. Denn wie Jean-Jacques Rousseau vor 300 Jahren schon festgestellt hat: „Wollen wir in Frieden leben, muss der Frieden aus uns selbst kommen.“

Besonders der innere Frieden ist schwer definierbar, da er subjektiv ist und jeder Mensch ihn auf seine eigene Art und Weise suchen und finden muss. Jeder von uns ist individuell und so ist auch unsere eigene Suche nach dem Frieden individuell gestaltet und nicht vergleichbar. Meiner Meinung nach hat ein Mensch seinen inneren Frieden gefunden, wenn er das, was er für gut hält, in Taten umsetzen kann und sich als Resultat glücklich und vollkommen fühlt. Um dies weiter auszuführen, lohnt es sich, einen weiteren Blick in den Psalm zu werfen.

Er besagt: „Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“

Auch wenn der erste Teil simpel und logisch klingen mag, ist er ein Schlüsselpunkt, um den Rest des Psalms im Kontext zu deuten.

Besonders die Wörter Gut und Böse sind zentrale Aspekte. Denn genauso wie unser innerer Frieden sind diese subjektiv und mein „Gut“ entspricht vielleicht nicht dem „Gut“ einer anderen Person. Und hieraus ergibt sich eine kontroverse Folge. Was ist, wenn Terroristen, Attentäter oder Kriminelle nur so handeln wie sie handeln, da sie glauben, dass ihre Taten gut sind und sie dadurch ihren inneren Frieden finden? Sie missbrauchen ihre Definition eines inneren Friedens und konnotieren ihn negativ, um ihre missachtenden Taten für sich als innere Ruhe gelten zu lassen.

Um ihren Handlungen entgegen zu wirken, müssen wir vielleicht einen Standpunktwechsel vornehmen. Terroristen, Attentäter oder Kriminelle schaden nicht nur anderen Menschen. Sie verhindern auch, dass wir den äußeren Frieden finden können.

Deshalb müssen wir uns nicht nur klar gegen sie positionieren, sondern auch ihre Definition von Gut und Böse verändern. Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken und sicherstellen, dass bereits Kinder in einem friedlichen Elternhaus aufwachsen können, in welchem ihnen die „richtige“ Definition von Frieden nahegelegt wird!

Auch wenn dies sehr idealistisch für Sie klingen mag, ist dies der einzige Weg, der mir einfällt, um auf eine nachhaltige Art und Weise Frieden auf der ganzen Welt herzustellen.

Aber was ist denn nun der äußere Frieden? Frieden bezeichnet nicht nur die Abwesenheit von Konflikten und Krieg. Das Wort beinhaltet so viel mehr. Für mich ist eine friedliche Welt eine vollkommene Welt. Eine Welt die von Gleichheit, Freiheit und Zusammenhalt definiert ist. Eine Welt, in welcher jeder Mensch stolz ist, sagen zu können: Ich bin ein freier Mensch unserer gemeinsamen Welt!

Zum jetzigen Zeitpunkt könnten wir von der Definition kaum weiter weg sein.

Wenn man heutzutage die Zeitung öffnet oder die Nachrichten schaut, wird man von Unmengen von erschreckenden Nachrichten überschwemmt: religiöse Fanatiker, die Menschen angeblich in Gottes Namen töten, Rechtsextremisten die Ausländer hassen und weitere Krisen und Terrorakte, die kaum ein Ende zu nehmen scheinen.

Als ich allein gegoogelt habe, wie viele Terroranschläge in diesem Jahr stattgefunden haben, bin ich auf eine unfassbare Zahl von 62 Terroranschlägen gestoßen. Innerhalb von 85 Tagen gab es auf der Welt eine verachtende Summe von 62 Terroranschläge, bei denen insgesamt 1643 Menschen ums Leben kamen. Hierbei sind die Ausmaße zwar unterschiedlich stark, jedoch war jeder dieser Terroranschläge darauf abgezielt, Terror zu verbreiten und Menschen zu töten.

Viele Terroranschläge oder Krisen werden von den Medien gar nicht mehr thematisiert und gehören quasi schon zum alltäglichen Leben der Bewohner der betroffenen Länder. Diese leben jeden Tag mit der Angst, jeden Moment der nächste zu sein, der durch einen weiteren Anschlag sein Leben verliert.

Auf diese Art und Weise werden wir unsere Suche nach dem Frieden niemals erfolgreich beenden können. Wir müssen uns klar gegen Terror positionieren. Denn Terror oder Terroristen kennen keine Religion oder Nationalität.

Frieden ist universell und wird nicht nur durch eine bestimmte Religion definiert. Das Wort Frieden taucht selbstverständlich nicht nur in der Bibel auf. Der Begriff Islam bedeutet an sich im arabischen schon Frieden oder Hingabe. Somit ist der Friede ein wichtiger Wert im Islam. Schalom ist das hebräische Wort für Frieden und es taucht über 200 Mal in der Torah auf. All diese Religionen predigen daher Frieden und trotzdem gibt es Gewalt und Hass. Menschen die Religion als Begründung für ihre verachtenden Terrortaten nutzen, missbrauchen diese daher und missinterpretieren sie absichtlich, um ihre nicht nachvollziehbaren Taten  zu rechtfertigen.

Aber nicht nur Terroranschläge gefährden unseren Frieden. Intoleranz, steigender Rassismus, Hass, Gewalt und nicht zu vergessen Mobbing, egal wo und wann, sind genauso schlimme Faktoren, welche nicht nur verhindern, dass wir in einer friedlichen Welt leben, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl unserer Welt, unserer Länder oder Gemeinden gefährden.

Wir streben nach dem Frieden und doch tun wir Menschen so viel Falsches. Wir suchen zwar Frieden, jedoch jagen wir ihm nicht nach.

Wir sind abgelenkt und denken, dass wir zu klein sind, um dazu beizutragen, den Frieden zu erreichen.

Das Erreichen des Friedens ist kein Kinderspiel, es funktioniert nicht durch Beobachten und Abwarten. Frieden kann nicht erreicht werden, indem wir die Verantwortung auf andere Menschen schieben! Frieden kann nur durch aktives und intensives Handeln jedes einzelnen Menschen erreicht werden.

Jeder einzelne kleine Schritt in Richtung des Friedens ist der Richtige.

So können wir beispielsweise, indem wir an jedem Tag eine gute Tat vollbringen, dazu beitragen, dass ein anderer Mensch, aber auch wir selbst dem inneren Frieden näherkommen. Das nächste Mal, wenn wir draußen sind, sollten wir Menschen öfters anlächeln, grüßen, ihnen Komplimente machen und anderen bei Bedarf helfen!

Lassen Sie uns ein Beispiel für Toleranz und Weltoffenheit setzen!

Und deshalb sollten wir uns heute eines vornehmen:

Lassen Sie uns in die Welt hinausgehen und jeden einzelnen Tag, jede einzelne Sekunde unseres Lebens danach streben unseren eigenen Frieden zu finden!

Denn nur, wenn wir dies schaffen, werden wir als Gemeinschaft, als Menschen und Einwohner unserer Welt es schaffen, dem Weltfrieden ein Stückchen näher zu rücken. Lassen Sie es uns zur Aufgabe machen, das Gute und Richtige in die Welt hinauszutragen. Und wenn (ich betone, wenn) wir es eines Tages schaffen sollten, sagen zu können: Wir haben unseren Frieden gefunden und leben in einer Welt, die vom Frieden geprägt ist, dann ruhen Sie sich darauf nicht aus!

Wenn unsere Fingerspitzen den Frieden berühren, dürfen wir ihn nicht mehr loslassen! Lassen Sie uns dem Frieden nachjagen, denn ansonsten ist er im nächsten Augenblick schon verflossen und die Suche muss von neuem beginnen.

Jede unserer Taten und Handlungen sollte es zum Ziel haben, den Frieden zu halten und zwar nicht nur unseren inneren, sondern auch den äußeren, ihn zu pflegen und ihn mit Respekt zu hüten.

Jede schlechte Tat, die unsere Welt weiter erschüttert und den Frieden anderer Leute schädigt, ist ein Schritt in die falsche Richtung.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nur in einer friedlichen Welt leben können, wenn der Frieden durch alle Flüsse, Meere, Wälder und Länder sich auf der ganzen Welt verteilt und festigt.

Frieden ist erst komplett existenziell, wenn er alle Ecken unserer Erde in seinen Schmutzmantel gehüllt hat.

Es ist Zeit! Es ist Zeit, endlich dem nachzugehen, nach dem sich unser Leben immer richten sollte: dem Frieden.

Und somit nehme ich mir es heute zum Ziel, jeden einzelnen Tag meines Lebens den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen! Ich nehme es mir zum Ziel für den Frieden der Leute einzustehen, welche sich nicht helfen können. Denn wenn wir nicht aufstehen und uns gegen diejenigen positionieren,die unseren Frieden gefährden, wer wird es dann tun?