Die Bethlehemkirche

Die Bethlehemkirche
(zusammengestellt von Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk)

1. Grundsteinlegung

Am 22.Dezember 1963 wurde der Grundstein für den Neubau der Bethlehemkirche und des dazu gehörenden Gemeindezentrums in der Dietrich-Bonhoeffer-Str.9 gelegt. Zu dem neuen Gebäudekomplex gehörte auch der Kindergarten im Wichernweg. Der Text der Urkunde lautete:

Im Glauben an den Herrn Jesus Christus wird der Grundstein gelegt zur Bethlehemkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich."
Die Kirche bildet den Mittelpunkt eines neuen Gemeindezentrums an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße.
Wir stellen die Kirche unter den Schutz unseres Herrn und bitten ihn um seinen Beistand für unser Planen und Bauen.
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Der letzte Satz der Urkunde, das Gloria in excelsis findet sich auch in den Inschriften der vier Glocken wieder. (Siehe unter 7.)

  

  

  

2. Zahlen und Daten

Auf dem 8.080,00 Quadratmeter großen Baugrundstück wurde in gut drei Jahren ein Gebäudekomplex mit einem Bauvolumen von 12.000,00 Kubikmetern erstellt. Der Grundriss der Bethlehemkirche umfasst 20 mal 20 Meter. Die Höhe des Faltdaches beläuft sich auf 13,00 Meter. Der Glockenturm misst stolze 17,00 Meter. Die Bethlehemkirche hat in der ursprünglich vorgesehenen Bestuhlung 280 Sitzplätze, was aber zu besonderen Festtagen wie an Weihnachten nahezu verdoppelt wird. Dank ihrer flexiblen Bestuhlung bietet die Bethlehemkirche eine Vielzahl von Möglichkeiten auch auf besondere Gottesdienstsituationen einzugehen (Taufgottesdienste mit kleiner BesucherInnenzahl, Kindergarten-gottesdienste, Krabbelgottesdienste, Frauengottesdienste etc.). Darüber hinaus wird die Kirche wegen ihrer besonders guten Akustik auch gern für unterschiedliche Konzerte genutzt (Orgel, Chor- und Kammermusik). 
Der Gemeindesaal ist für 180 Sitzplätze konstruiert worden und mit einer Bühne ausgestattet.
Das Gemeindezentrum wurde in drei Bauabschnitten erstellt.
Man begann mit dem Pfarrhaus in der Dietrich-Bonhoeffer-Str.7, dessen Baubeginn - nach Vorliegen der Baugenehmigung - am 9.November 1961 stattfand. Der Baubeginn für den Komplex Gemeindehaus und die Kirche ist auf den 21. Januar 1963 datiert. Der Bau am Mitarbeiterwohnhaus im Wichernweg begann am 18.März 1963.
Nach der Grundsteinlegung am 22.Dezember 1963 wurde kontinuierlich an der Bethlehemkirche gebaut. Richtfest konnte am 4. Juni 1964 gefeiert werden und die feierliche Einweihung der Kirche fand am 11.April 1965 statt.

3. Einweihung

In der Festschrift anlässlich der Einweihung der Bethlehemkirche am 11.April 1965 schrieb der Vorsitzende des Presbyteriums und damalige Pfarrer des Bezirks 1, Pfarrer Hans Hütt:
„Der Vogel hat ein Haus gefunden, die Schwalbe ihr Nest“(Ps.84,4)
Es hat lange gedauert. Aber nun ist alles fertig bis auf den Kindergarten als letzten Bauabschnitt. Das neue Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße kann nun mit Leben gefüllt werden. Ob die Vorarbeiten dazu dem Presbyterium in Zusammenarbeit mit dem Architekten gelungen sind? Wir hoffen und wünschen es. Wir wissen, dass auch neue Räume für eine Gemeinde in Dienst genommen, nur dann ihren Sinn erfüllen, wenn sie Herberge geben dem, der Mensch geworden ist und der durch Wort und Geist gegenwärtig wirken möchte.
Der Name ‚Bethlehem’ verpflichtet uns immer wieder, neugewordene Menschen zu sein in allen Bereichen unseres Lebens.
Architekt und Künstler sollen selbst zu ihren ‚Kindern’ das Wort ergreifen. (…)“

4. Stellungnahme des Architekten

Und so schrieb Dipl. Architekt BDA Rainer Herbeck in eben jener Festschrift:
„Lage und Beschaffenheit des Grundstückes, Programm und Funktion sind die Voraussetzungen eines jeden Entwurfes. Von der Evangelischen Gemeinde, dem Presbyterium unter dem Vorsitz von Pastor Hütt, wurde ein klares Programm ausgearbeitet. Sinn der Aufgabe war, der Gemeinde einen lebendigen Mittelpunkt zu erstellen.
Um einen weithin geöffneten Kirchplatz gruppieren sich, durch eine Pergola verbunden, die Hauptgebäude des Zentrums. Die Kirche selbst dominiert durch ihre eigenwillige Form. Sie erhebt sich über ein Quadrat von 20 x 20 m. Das Faltdach wird von 4 Stützen getragen. Der Turm steht in der Mitte des Kirchplatzes.
Durch Gartenarchitekt Köhler unterstützt, wurde der Kirchplatz so gestaltet, dass er die Möglichkeit zu einem besinnlichen Verweilen anbietet.
Sämtliche Zugänge zu den Hauptgebäuden sind von diesem Platz aus zu erreichen. Meine Wünsche und Hoffnungen gehen dahin, der Gemeinde mit diesem Zentrum eine würdige Stätte der Begegnung und der Besinnung, dank ihrer Unterstützung, geschaffen zu haben.“

5. Die Tore der Bethlehemkirche

Besonders bemerkenswert sind die gestalteten Holztore der Bethlehemkirche. Über sie schreibt der Holzkünstler Hermann Focke in der Festschrift:
„Den Eingangstüren zum Gotteshaus kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie bilden die Abtrennung vom Vorhof zum sakralen Raum und führen hinein in die Gebundenheit der Gemeinde Christi.
Die auf den Toren dargestellte Heilsgeschichte des Alten Bundes soll dem Eintretenden Vorbereitung und Einstimmung auf die gottesdienstliche Handlung sein.
Im linken Tor ist die Schöpfungsgeschichte dargestellt: Die Erschaffung des Lichtes, der Sonne, des Mondes und der Sterne. Unten die Trennung von Land und Wasser, umgeben von vier Reliefs mit der Erschaffung der Tier- und Pflanzenwelt. In der Mitte weist die Schöpferhand auf die Erschaffung des Menschen hin. Er ist die Krönung der Schöpfung und daher im Türgriff besonders hervorgehoben.
Der schmale Flügel des linken Tores zeigt den Sündenfall und die Vertreibung aus der unversehrten Schöpfung.
Und der Herr sprach zu Abraham: ‚Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden.’ 1.Mose 12,2-3
Die geschehene Heilsgeschichte, aus dem Schoße Abrahams wachsend, in die Gestalten der Propheten, Priester und Könige des Alten Bundes übergehend, bis zu Christus hin, ist das Thema der Gestaltung der zweiten Tür.
In den Tafeln der zehn Gebote soll die Führung des Volkes Gottes durch seinen Herrn symbolisiert werden.
Bethlehem, zu deutsch Brothaus, weist auf die Fülle der Zeit durch die Menschwerdung Christi hin.
Der Fisch als Symbol für Christus öffnet dem Glaubenden das Tor zum neuen erlösten Leben.
Alle Bilder sind gebunden durch die Grundelemente Kreis und Dreieck. Der Kreis als Symbol für das Unversehrte, das Ruhende, das Vollendete, das Geborgensein, findet sich vorwiegend in den Darstellungen der Schöpfungsgeschichte. Als Gegensatz dazu in der anderen Tür das Dreieck als Zeichen für Unruhe, Dynamik, Härte.
Beides findet in der Gesamtkonzeption zu einer Einheit.“
Es lohnt sich sehr, die beiden Tore unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten und zu „entschlüsseln“. Genauso reizvoll ist es, den gesamten Kirchbau unter den Aspekten „Kreis und Dreieck“ zu erkunden. Die Symbolik des Kirchbaus lesend, werden sich immer tiefere Schichten spirituellen Erlebens auftun.

6. Die Fenster

Das symbolbesetzte Stilelement des Dreiecks findet sich in der Gestaltung der Glasfenster in vielfacher Weise und in hundertfacher Variation.
Über die Fenster schreibt der Fenstergestalter Hans Hofacker:
„Die Fenster sind die lichtdurchlässigen Wände in der Architektur dieser Kirche. Der Architekt hat ihnen eine wesentliche Funktion zugedacht.
Ein figürliches Thema, das oft den künstlerischen Wert der Komposition beeinträchtigt, erschien nicht angebracht und war auch deshalb nicht wünschenswert, damit die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf das Hören konzentriert wird.

Der Maler suchte nach nichts anderem als nach dem Rhythmus – formal kehrt die Dreiecksform der Fenster, vielfältig abgewandelt, in der Verbleiung wieder – und nach einer Farbwirkung, die eine sakrale Stimmung schafft und jenes ideale Licht, das nur der Glasmalerei eigen ist, und die Fenster leuchten lässt.“

  

  

  

  

  

7. Die Glocken der Bethlehemkirche

Vier Glocken haben im 17 Meter hohen Turm der Bethlehemkirche ihren Ort.
Da ist zunächst die A’ – Glocke. Sie wiegt 530 kg und trägt die Inschrift: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“.
Die zweite ist die H’ – Glocke. Sie wiegt 355kg und trägt die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Darauf folgt die Cis’ – Glocke mit ihren 278 kg und der Inschrift „und Friede auf Erden“. Und als Kleinste läutet die E’ – Glocke. Sie wiegt 165 kg und trägt die Inschrift „und den Menschen ein Wohlgefallen!“
Auf jeder Glocke sind das Siegel der Gemeinde, das Gussjahr 1964 und das Gießerzeichen abgebildet. Alle Glocken sind aus Bronze und stammen aus der Glockengießerei der Gebrüder Rincker Sinn/Dillkreis.
Die Töne der Glocken bilden den Anfang des Chorals: „Gott des Himmels und der Erden“. Sie sind abgestimmt auf die Töne der Glocken der katholischen Kirche St. Mauritius mit ihrem Choral: „O Heiland, reiß die Himmel auf.“

Mögen die Glocken auch weiterhin viele Gläubige zum Gottesdienst rufen, den Sonntag einläuten und der Gemeinde Jesu Christi in Büderich sagen, was die Stunde geschlagen hat.

Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk
 

 

 

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Exaudi (HERR, höre meine Stimme! Psalm 27,7)
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
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