Der prämierte Entwurf des Architekturbüros Hecker im Detail - Piazza !
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Analyse
Zäune und Grünzonen umgeben die Bethlehem-Kirche, lassen wenig Kontakt zu und führen daher zu unnötiger Distanz. Wir finden dort Raum vor, der nur selten „bespielt“ wird, obgleich er dem sich in ständiger Bewegung und permanenter Veränderung befindenden städtischen Leben als große Bühne dienen könnte.
Entwurfskonzept
Für das Gemeindeforum haben wir einen neuen Stadtraum entwickelt, eine Piazza, einen Marktplatz der Kommunikation. Der Stadtraum, der die Kirche umgibt, wird als Teil dieses neuen Raumentwurfs zum Leben erweckt und tritt in eine spannungsvolle Wechselbeziehung.
Vom Café einerseits oder der Chance einer Abkürzung andererseits – eingeladen, betritt der Passant die Piazza, die sich so nennt, weil sie nicht nur ein „italienisches“ Straßencafé, sondern sogar einen Campanile besitzt. Ihr Charakter ist weniger öffentlich als der äußere Stadtraum. Der Fluss des Verkehrs und das hektische Treiben des Einkaufens und Parkens der „Città“ sind gedämpft, die Atmosphäre ist kontemplativer. Das Geschehen hier prägen die vielfältigen Aktivitäten des Gemeindelebens.
Dieses kommunikative Flechtwerk städtischer Räume eröffnet mittels der Differenzierung öffentlicher Präsenz einen im doppelten Sinne barrierefreien Zugang zum Gemeindeleben.
Akteure und Kulissen
Die Raumkanten werden durch einen Gebäudekomplex aus drei Kuben formuliert, der im Dialog mit dem Campanile und dem Kirchengebäude steht. Die Fassaden öffnen sich hier und geben den Blick frei auf das Geschehen im Inneren des Hauses.
So wird die innere Fassade zur Platzfassade, die Piazza zum Zuschauerraum: Im Schatten der Bäume oder des Laubengangs verweilend oder im Gespräch im Cafè sieht man die Kinder auf den Gängen spielen. Eine Gruppe von Menschen besucht die Versammlungsräume, eine Mitarbeiterin geht zum Kindergarten, eine Diakonie-Schwestern macht Feierabend.
Die Piazza ist aber auch Bühne: Die Kindergärtnerinnen und Mitarbeiter von Verwaltung und Diakonie sehen dem Kom-men und Gehen der Eltern zu und beneiden die Zeitungsleser, die in der Morgensonne vor dem Café sitzen.
Äußere Erschließung
15 Parkplätze werden im Bereich des ehemaligen Pfarrwohnhauses (Nord-Ost-Ecke) angeordnet. Weitere 8 Parkplätze entstehen durch Senkrechtparker an der Dietich- Bonhoeffer-Strasse, dort müssen jedoch 3 Längstparker dafür entfallen. An der Südseite entstehen 6 neue Senkrechtparker und an der Wichertstrasse weisen wir 10 nach , die allerdings nur in ihrer Lage verändert werden. Die Parkplätze der Pfarrerin, ihrer Besucher und z.b. der Diakonie befinden sich im Vorfeld des neuen Wohnhauses.
Alle fußläufigen Zugänge befinden sich auf der Piazza. Ein Laubengang schützt und verbindet die Eingänge des neuen Zentrums. Ausgerichtet ist das Ensemble auf den alten und neuen Eingang der Kirche, der ein neues Vordach erhält.
Anlieferungen erfolgen ausschließlich von aussen über die Dietrich-Bonhoeffer-Straße, bzw. vom Wichernweg aus.
Innere Erschließung
Drei Foyers erschließen das Zentrum. Aus funktionalen und architektonischen Gründen durchdringen sie die Gebäude: Anlieferungen können so von außen erfolgen, Blickbeziehungen vernetzen die Stadträume und machen die Komposition des U-förmigen Gebäudeensembles aus drei Körpern nachvollziehbar.
Foyer Kirche
Das „Foyer Kirche“ erschließt die Kirche, die Gemeindesäle mit Musikraum und Kantor. Ein Behinderten-WC und eine Teeküche befinden sich im Erdgeschoss. 
Die Toiletten im Keller werden entweder saniert oder an anderer Stelle im Keller neu angeordnet.
Der Baukörper der jetzigen Küche ist in Maßstab und Nutzung seiner exponierten Lage nicht angemessen. Sollten keine denkmalpflegerischen Bedenken bestehen, schlagen wir vor den Baukörper zurückzubauen. Die denkmalpflegerische Zustimmung vorausgesetzt erhält der große Gemeindesaal ein „Schau“-Fenster zur Piazza.
Foyer Gemeindezentrum
Das „Foyer Gemeindezentrum“ erschließt die Seminarräume, die Räume der Verwaltung und die Diakonie. Intern durch Flure mit Verbindungstüren und extern durch einen Laubengang ist es mit dem Café und dem „Foyer Kita“ verbunden. Die Diakonie erhält einen abschließbaren Bereich, der jedoch durch einen gemeinsam mit der Verwaltung genutzten Flur erschlossen wird.
Foyer Kita
Vom „Foyer Kita“ aus sind auf kurzem Wege alle Bereiche der Kindertagesstätte erschlossen. Hier ist der zentrale Gartenzugang mit Sauberlaufmatten und freundlichen Möbel für die Gummistiefel frei im Raum stehend, hier ist der Platz, um die Kinderwägen abzustellen, hier werden die Schiebetüranlagen zum Bewegungsraum geöffnet, um Feste zu feiern, hier bindet eine offene Treppe die oberen Gruppen ein, hier koppelt ein Verbindungsbau das ehemaligen Pfarrwohnhaus mit seinen neuen Funktionen an und hier steht der Speiseaufzug mit Anrichte und Stellplatz für einen Servicewagen.
Ein separates Fluchttreppenhaus wird ausgewiesen, um die Offenheit und Nutzbarkeit des Foyers nicht durch Brandschutzauflagen einzuschränken.
Innere Erschließung der Gruppenräume
Vor den Gruppenraumzugängen sind die Garderoben angeordnet. Die Sanitäranlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe, so dass diese von Innen oder von Außen zugänglich gemacht werden können. Zur Raumoptimierung wird vorge-schlagen, den Wickelbereich hier jeweils zu integrieren.
Über den Sanitärbereichen wird eine Spielempore gestaltet, die in den Obergeschossen als kleine Häuser durch die Decke stoßen. Die unteren Gruppen sind barrierefrei und können als integrative Einheiten belegt werden.
Architektonische Gestaltung
Die Architektursprache greift die strenge Formensprache der vorhandenen Volumenkompositon auf. Drei Kuben formen ein U-förmiges Gebäude, das die Piazza definiert.
Die Gestaltung insgesamt ist ruhig, sachlich und einfach. Atmosphärische Wärme und Geborgenheit werden durch die Verwendung von hölzernen Fensterkonstruktionen, akustisch dämpfenden Holzverkleidungen und eine lebendige Far-bigkeit im Inneren erreicht. Werk- und Materialgerechtigkeit erzeugen eine Qualität, die die Menschen berührt und be-heimatet.
Die Fassaden sind streng gegliedert und spielen im Detail. Konzeptionell folgerichtig werden Flure und Foyers nach innen zur Piazza hin ausgerichtet. Sie öffnen sich ebenso wie das Café schwellenlos transparent durch eine Pfosten-Riegelkonstruktion (Holz/Aluminium). Wenige notwendig geschlossene Elemente werden mit Glas-Sandwich-Paneelen ausgebildet. Nach Außen sind die Nutzungen angeordnet, die eine stärkere Abgrenzung erfordern. Das Ensemble wirkt geschlossener. Es erhält einen warmen ocker-anthrazit-farbenen Feinputz auf Mineralschaumdämmung. Erzählerisch gesetzte Holzfensterkonstruktionen beleben das Raster.
Die Gebäude sind als unterzugsfreie Plattendeckenkonstruktion aus Stahlbeton konzipiert mit tragenden äußeren Wän-den und einer Skelettkonstruktion zur Piazza hin. Das Ausbauraster der Büroeinheiten beträgt 0,925 Meter, das Fassa-denraster der Pfosten/Riegelkonstruktion beträgt 1,875Meter. Alle inneren Wände sind leichte Trennwände und daher im Ausbau flexibel. Die Betondecken sind wahlweise geputzt oder aus Sichtbeton. Große Räume erhalten in Raummitte schallschluckende Akustikinseln, die indirekt beleuchtet werden. Die lichte Raumhöhe im Erdgeschoss beträgt 3,75 m, im Obergeschoss 2,85 m.
Außenlagen
Ein Passepartout einheitlichen Bodenbelags definiert die räumliche Überlagerung des inneren und äußeren Stadtrau-mes, verbindet das neue mit dem bestehenden Ensemble. Die Bäume, neue und Bestandsbäume, stehen nicht in Rei-he, sondern umspielen die Gebäude in einem freien Rhythmus. Die Gruppenräume erhalten befestigte und durch eine Mauer umgrenzte Freianlagen nach Osten, die oberen Gruppen ersatzhalber Balkone, bzw. eine Dachterrasse.
Die große zusammenhängende Freianlage der Kita wird durch Bestandsbäume und eine bewegte Topographie be-stimmt. Sie ist vom Personalraum, vom Büro der Leiterin und vom Foyer, bzw. der inneren Galerie gut einsehbar. Spielgeräte und Gartenarchitektur sollen den Kindern Bewegungsraum geben und einen emotionalen Zugang zur Ökologie unserer Erde vermitteln.
Energetisches Konzept
Das Gebäude ist sonnenoptimiert gebaut. Die Kita erhält Morgensonne, das Café ist den gesamten Tag über besonnt, Lager und Nebenräume liegen Richtung Norden. Das Gebäude wird nach neuestem technologischem Standard ge-dämmt, solare Energie wird sowohl durch Kollektoren als auch durch intelligente Fassaden gewonnen. Wärmepumpen und Wärmerückgewinnung aus dezentralen Entlüftungsanlagen liefern Wärme. Da lediglich Akustikinseln zwischen die Träger montiert werden, stehen Wand- und Deckenflächen als thermisch träge Masse zur Verfügung. Baukonstruktion und technische Gebäudeausrüstung orientieren sich am Passivhaus-Standard.
Bauablauf
Die Pfarrerin kann in ihrem Haus wohnen bleiben bis ihr neues Pfarrwohnhaus errichtet ist. Das setzt jedoch voraus, dass die Kita während der Bauphase des Pfarrwohnhauses vorübergehend die Räume der Verwaltung des Gemeindezentrums nutzen und das Essen für die Kinder in der VHS-Küche zubereiten kann. Mitarbeiter der Verwaltung bleiben bis Ende dieser Phase in ihrem Ausweichquartier.
Erweiterungen
Der eingeschossige Westtrakt kann für eine spätere Aufstockung statisch vordimensioniert werden. Zusätzlich ist eine Erweiterung im neuen Parkplatzbereich nordöstlich des ehemaligen Pfarrwohnhauses möglich.






