Bruchstückhafte Bemerkungen
„Da siehst du aber ganz schön alt aus“, sagt mein Sohn, als ich in unserem Sommerurlaub mit ihm auf dem Rasen vor unserem Ferienhaus versuchte, ein bisschen zu kicken und keine Chance hatte. Wenn ich mich morgens so langsam „ent-falte“ und meine mehr und mehr ergrauten Haare sehe, frage ich mich: „Siehst du tatsächlich alt aus?“
Und schon sind wir bei der Frage, wie das mit der Umschreibung „alt“ gemeint ist. Ich bin also alt, wenn ich einiges nicht mehr kann oder schlechter kann. Solange man noch alleine Autofahren kann, solange ich meinen Haushalt noch alleine hinbekomme…..
Oder ich bin alt, wenn ich so und so aussehe: graue Haare, Falten im Gesicht, schlaffe Haut.
Oder geht es bei der Einstufung in „alt“ eher um die Tatsache: Alt bin ich, wenn ich so und so bin: wenn ich vergesslich bin, wenn ich schrullig bin, wenn ich zittere, wenn ich schlecht höre.
Statistiker brauchen für gewisse Umfragen klare Einstufungen. Und so gilt es bis heute bei ihnen, dass Menschen ab 65 Jahren zu den alten Menschen gehören.
Dabei gibt es heute doch den Begriff der jungen Alten, also Menschen ab 50. Naja, nicht mehr lange und ich bin dabei!
Manchmal habe ich den Eindruck, das „alt“ auch ein Schimpfwort ist.
Ich werde jeden Tag älter. Und bin damit dem einen Tag jüngeren ein Senior (kommt aus dem Lateinischen und heißt „älter“). Es gibt den Seniorpartner, den älteren Teilhaber in der Kaufmannsprache. Mehrere Junior-Manager sind einem Senior-Manager unterstellt. Jenseits der 30 bis 40 Jahre gehöre ich in den meisten Sportarten zur Seniorenmannschaft. Ab 75 Jahren bin ich dann sogar Nestor. Der erste Chargierte in einer Studentenverbindung ist der Senior.
„Ich bin so alt, wie ich mich fühle“, sagt ein bekanntes Sprichwort. Vielleicht lerne ich davon, denn ich weiß, dass ich mich bewusst alt im Sinne von betagt fühlen kann, ohne darunter zu leiden. Jeder Tag ist ein Tag des Lebens voller Höhen und Tiefen.
Und wenn ich dann auch noch die Zusage Gottes lese „Ich will euch tragen bis ihr alt du grau werdet“, dann fühle ich richtig jung, das Alter zu genießen, egal wie alt ich bin.
Wilfried Pahlke



