Noch 1895 km...unterwegs nach Santiago de Compostela

Vor der Feste Zons
Samstag, den 17.10., 7:00 Uhr, es ist dunkel und kalt, als Jakob und ich in Büderich mit dem Fahrrad losfahren, um dem rheinischen Jakobsweg, der durch Büderich führt, über Köln nach Bad Münstereifel zu folgen. In den Packtaschen befindet sich unsere Ausrüstung für zwei Tage, Verpflegung, Regenbekleidung und Kartenmaterial, der Jugendherbergsausweis für die geplante Übernachtung in Bad Münstereifel darf ebenso wenig fehlen wie Photoapparat und Handy.
Auf direktem Weg fahren wir durch die morgendliche Kälte nach Neuss um hinter dem Obertor dem Nordkanal folgend auf den Rhein zu stoßen. Über Grimmlinghausen, Uedesheim, Stürzelberg gelangen wir nach Zons. Dort legen wir eine erste kurze Pause ein. Der Himmel ist uns gnädig, trotz gegenteiliger Ankündigung bleibt es trocken, ein mäßiger Nordwestwind unterstützt das Treten, die Räder laufen rund und problemlos, die Stimmung ist prächtig.

Erste Pilgererfahrungen konnte ich im April 2008 mit der ökumenischen Pilgertour unserer Gemeinde von Wuppertal nach Köln sammeln. Mit der Eröffnung des Pilgerwegs entlang des Rheins, der in 10 Etappen von Nimwegen über Kleve und Xanten nach Köln führt im Frühjahr 2009, wuchs der Wunsch in mir, dem Weg aus eigener Kraft bis nach Spanien zu folgen. Am Christi Himmelfahrtstag wanderte ich von Büderich zum Kloster Knechtsteden und konnte unsere Heimat aus der Perspektive des Fußgängers neu entdecken.
Nun galt es, die Stadt Köln zu durchqueren und die Eifel zu erreichen. Eine lange Etappe durch die Millionenstadt konnte ich mir beim besten Willen nicht zu Fuß vorstellen: Das werde ich mit dem Fahrrad machen! In Jakob Brandt fand ich einen Gefährten, den ich sofort für die Idee einer gemeinsamen Tour begeistern konnte.
Dem Rhein aufwärts folgend durchfahren wir Langel, Rheinkassel und treffen in Merkenich auf Kölner Stadtgebiet. Hier verlassen wir den Rhein, um die Ford-Werke auf einer vierspurigen Straße zu passieren. Die breite, kilometerlange Straße ist nur für uns da. Die Sonne lacht über unsere radfahrerischen Kapriolen. In Niehl sehen wir noch einmal den Strom, dann führt der Weg in direkter Linie durch die Stadt auf den Dom zu.
Im Domforum erhalten wir unseren Pilgerstempel. Kaffee und belegte Brötchen stärken uns für die Weiterfahrt. Vor dem Dom überrascht uns nach den ersten Stunden unserer Fahrt, die wir fast auf uns alleine gestellt waren, die große Menge an Menschen: Gaukler, Touristen, Einkäufer, Menschen aus vielen Ländern.

Mitten im Trubel fällt unser Blick auf eine, in den Boden eingelassene, wasserumströmte Spirale, der Taubenbrunnen von Ewald Mataré aus dem Jahr 1953.
Frisch gestärkt geht die Fahrt zur Erft hinunter und von nun an können wir bis kurz vor Münstereifel dem Erftradweg folgen. Die Strecke ist auf weiten Teilen naturbelassen, unsere Treckingräder bewähren sich aber auch auf holpriger Piste hervorragend. Der Himmel changiert zwischen hellem Blau und dunkelgrau, aber es bleibt trocken.
Der weite Blick ins Tal wechselt mit Dorfdurchfahrten – kann man sich und Gott näher sein als bei einer Reise aus eigener Kraft in Kontakt mit Wind und Wetter, fernab von der Zeit, dem Terminkalender und den üblichen Verpflichtungen. Es ist so leicht, einmal den Alltag hinter sich zu lassen und trotzdem nicht aus der Welt zu sein. Wir möchten jeden ermutigen, die Wanderstiefel anzuziehen oder die Luft in die Reifen zu pumpen und loszuziehen.


Euskirchen, Stotzheim, Iversheim und Bad Münstereifel, viele Kilometer mit Blick auf die Eifel fliegen nur so dahin.
In Münstereifel kommt die letzte Herausforderung, der Schlussanstieg zur Jugendherberge. Ausgerechnet jetzt fängt es an zu regnen, wir ziehen noch Regenjacken über und auf geht’s, Meter für Meter den Berg hoch. Gerade sind wir noch einmal richtig ins Schwitzen gekommen, da hat der Regen auch schon wieder aufgehört. Wir behalten trotzdem die Jacken an und umrunden eine Kehre nach der anderen. Eine kleine Abfahrt, ein erneuter kurzer Anstieg und endlich rollen wir auf die Jugendherberge zu.
Ob der vielen unerwarteten Gäste, die sich neben uns auch noch eingefunden haben, schlägt die Jugendherbergsmutter die Hände über dem Kopf zusammen. Aber alle finden ein Bett und zum Hühnerfrikassee wird mehr Reis gekocht. Alle werden satt. Die Duschen sind heiß, die Betten warm und gegen halb neun nach einem göttlichen Bier fallen uns die Augen zu.
In diesem Jahr möchte ich die Pilgerreise fortsetzen, jetzt zu Fuß durch die Eifel. Zu Christi Himmelfahrt stehen drei Tage für das Pilgern zur Verfügung. Am Donnerstag, den 13. Mai plane ich gegen 7:00 Uhr die Abfahrt von Büderich nach Münstereifel. Die erste Übernachtung kann hoffentlich in der Jugendherberge Blankenheim erfolgen. Dann soll es über Kronenburg, Prüm bis eventuell Waxweiler weitergehen. Das jeweilige Tagespensum hängt vom Wetter und dem Höhenprofil ab, setzt aber eine sportliche Wandereinstellung voraus. Natürlich tragen wir unsere Ausrüstung im Rucksack mit uns. Ich möchte nicht mehr im Voraus planen und vertraue auf Gottes kluge Führung. Die Rückkehr ist für Samstagabend oder Sonntagvormittag vorgesehent, je nach erreichtem Ziel und den Gegebenheiten vor Ort.
Wer sich berufen fühlt mitzulaufen melde sich doch bei mir.
Ralf Pracht
02132-914570
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